Patagonien erleben: Bariloche, El Calafate und El Chaltén
Letztes Update am 27.10.2026 10:59 Uhr
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Zuerst verschwinden die Häuser. Dann die Bäume. Hinter dem Busfenster zieht die Steppe vorbei: Grasbüschel, Kies, Zäune, manchmal eine Gruppe Guanacos. Lange scheint sich kaum etwas zu verändern. Doch irgendwann stehen die Anden vor der Windschutzscheibe. Über der Ebene tauchen die Spitzen des Fitz Roy auf.
Diese Anfahrt nach El Chaltén zeigt, was Patagonien von vielen Bergregionen unterscheidet. Die Berge sind nur ein Teil der Geschichte. Dazwischen liegen Seen, Gletscher, Wälder und Straßen, auf denen über weite Strecken kein Ort folgt. Wer hier reist, muss Entfernungen ernst nehmen. Und die Launen des Wetters.
Dieser Guide führt durch drei Ausgangspunkte auf der argentinischen Seite: Bariloche im Norden, El Calafate am Rand des südlichen Eisfelds und El Chaltén zu Füßen des Fitz Roy. Du erfährst, welche Wanderungen sich lohnen, wo man eine Nacht in den Bergen verbringen kann und wann ein Bus genügt. Ohne starren Tagesplan.
Das Wichtigste vorweg: Für die Klassiker in El Chaltén ist ein Mietwagen eher Ballast. Für die Seenstraßen nördlich von Bariloche kann er die Reise dagegen entscheidend verändern.
Drei Regionen, drei Gesichter Patagoniens
Patagonien erstreckt sich über den Süden Argentiniens und Chiles. Bariloche und El Chaltén liegen zwar beide am Fuß der Anden, aber weit auseinander. Die Seenregion im Norden lässt sich nicht als Tagesausflug mit den Gletschern von El Calafate verbinden.
Bariloche steht für Wälder, Bergseen und Berghütten. Rund um El Calafate übernehmen das Eis und die Steppe die Hauptrolle. El Chaltén wiederum konzentriert das Erlebnis aufs Gehen: Die Wanderwege beginnen am Ortsrand und führen bis vor die Wände des Fitz Roy und Cerro Torre.
Wer nur eine knappe Woche hat, wählt besser den Süden mit El Calafate und El Chaltén. Wer zwei Wochen mitbringt, kann die drei Orte kombinieren. Dann bietet sich ein Inlandsflug zwischen Bariloche und El Calafate an. Die lange Fahrt über die Ruta 40 ist eher ein eigenes Roadtrip-Kapitel.
Bariloche: Dort, wo die Seen die Berge spiegeln
Am Nahuel-Huapi-See hat Patagonien ein anderes Gesicht. Statt offener Steppe bestimmen bewaldete Hänge, Buchten und Inseln den Blick. Hinter dem Stadtzentrum von San Carlos de Bariloche beginnt ein Geflecht aus Straßen, Wanderwegen und Bootsrouten. Hier muss man nicht jeden Tag einen Gipfel besteigen, um etwas zu erleben.
Circuito Chico und Cerro Campanario
Der Circuito Chico erschließt die Halbinseln und Buchten westlich der Stadt. Besonders lohnend ist der Cerro Campanario. Wer oben steht, blickt über den Nahuel Huapi, den Lago Moreno und die Landzungen rund um Llao Llao. Der kurze Aufstieg dauert etwa eine halbe Stunde; alternativ fährt ein Sessellift. Der Aussichtspunkt ist beliebt, doch die Perspektive erklärt auf einen Blick die Geografie dieser Region.
Danach darf der Tag langsamer werden. Ein Weg am See, ein Stopp an einer Bucht, ein Kaffee mit Blick auf die Berge: Gerade der Wechsel zwischen Wasser und Wald macht die Gegend aus.
Puerto Blest und der Cerro Tronador
Vom Puerto Pañuelo fahren Ausflugsboote über den Nahuel-Huapi-See nach Puerto Blest. Die Fahrt führt in ein Tal mit dichterem, feuchtem Wald; bei der Cascada de los Cántaros rauscht Wasser durch die Vegetation. Wer lieber fährt als wandert, findet hier einen reizvollen Tagesausflug.
Weiter südlich erhebt sich der Cerro Tronador. Seinen Namen verdankt er dem Donnern abbrechenden Gletschereises. Über die Straße nach Pampa Linda erreicht man Aussichtspunkte am Ventisquero Negro. Der Weg ist lang, teilweise geschottert und an vorgeschriebene Fahrtrichtungszeiten gebunden. Eine organisierte Tour spart die Fahrerei; mit Mietwagen kann man unterwegs halten, muss die Regeln aber genau beachten.
Ruta de los Siete Lagos: Die Straße als Ziel
Die Ruta 40 verbindet Villa La Angostura mit San Martín de los Andes. Dazwischen folgen Seen, Waldstücke und Aussichtspunkte aufeinander. Der Camino de los Siete Lagos ist keine Rundfahrt, bei der am Ende eine einzelne Sehenswürdigkeit wartet. Die Fahrt selbst ist das Erlebnis.
Von Bariloche nach San Martín de los Andes sind es ungefähr 185 Kilometer. Eine geführte Tour füllt einen ganzen Tag. Mit dem Auto lohnt es sich, früher zu starten, Buchten auszusuchen und vielleicht in Villa La Angostura oder San Martín zu übernachten. Wer einen Linienbus nimmt, kommt zwischen den Städten voran, kann aber nicht beliebig an Aussichtspunkten halten.
Von Bariloche zu Fuß in die Berge
Bariloche ist nicht nur ein Ziel für Autofahrten. Hinter den bewaldeten Hängen stehen Granitwände und Berghütten. Diese Touren verdienen mindestens so viel Aufmerksamkeit wie die berühmte Seenstraße.
Refugio Frey: Granit über einer Lagune
Die klassische Wanderung beginnt am Cerro Catedral. Zunächst folgt der Weg dem Wald und einem Bach, später steigen die Felsen steiler an. Nach etwa vier bis fünf Stunden erreicht man das Refugio Frey an der Laguna Toncek. Über der Hütte ragen Granitspitzen auf. Für viele ist das einer der eindrucksvollsten Wandertage der Region.
Als lange Tagestour ist Frey machbar. Mit einer Nacht in der Hütte bleibt Zeit für den Abend am See und weitere Wege im oberen Gelände. Der Start am Cerro Catedral ist mit der Buslinie 55 erreichbar. Hütte und Campingplatz verlangen für Übernachtungen eine Buchung.
Cerro López, Laguna Negra und vier Hütten
Am Cerro López öffnen sich weite Blicke über Seen und Halbinseln. Längere Routen führen ins Gebiet der Laguna Negra und des Refugio Jakob. Erfahrene Bergwanderer können Frey, Jakob, Laguna Negra und López auf der Travesía de los Cuatro Refugios miteinander verbinden. Die Route beansprucht gewöhnlich vier bis fünf Tage und verlangt Trittsicherheit, gute Orientierung und passende Bedingungen.
Gerade im Frühjahr liegt auf höheren Wegen oft noch Schnee. Deshalb entscheidet nicht allein der Kalender über eine Tour. Im Nationalpark Nahuel Huapi ist für die meisten Bergwanderungen eine kostenlose Registrierung innerhalb von 48 Stunden vor dem Start Pflicht. Gesperrte Wege bleiben tabu.
Mit Bus oder Mietwagen rund um Bariloche?
Zum Cerro Campanario, nach Llao Llao und zum Cerro Catedral gelangt man mit städtischen Bussen oder organisierten Transfers. Damit funktionieren mehrere Wandertage auch ohne eigenes Auto. Für Puerto Blest bucht man die Bootsfahrt und fährt zum Anleger. Für den Tronador, abgelegene Seen und den Camino de los Siete Lagos bringt ein Mietwagen mehr Bewegungsfreiheit; organisierte Tagesausflüge bleiben eine Alternative.
El Calafate: Wo das Eis die Landschaft formt
Weiter südlich wird das Land offener. El Calafate liegt am Lago Argentino, dessen Wasser bei bestimmtem Licht milchig türkis erscheint. Die Stadt ist eine praktische Basis, aber der eigentliche Grund der Anreise wartet etwa 80 Kilometer entfernt: der Perito-Moreno-Gletscher.
Perito Moreno: Eine Eiswand in Bewegung
Vor der Gletscherfront treffen zwei Größenordnungen aufeinander. Auf den Stegen gehen Menschen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt; jenseits des Wassers hebt sich eine Wand aus Eis. Risse ziehen durch das Blau, Blöcke können abbrechen und ins Wasser stürzen. Das lässt sich nicht bestellen. Manchmal passiert lange nichts, bis ein dumpfer Schlag durch die Luft geht.
Ein Netz aus Stegen und Aussichtsbalkonen erschließt unterschiedliche Perspektiven. Dafür braucht man keine geführte Wanderung. Wer näher ans Eis möchte, kann eine Bootsfahrt buchen oder – abhängig von Angebot und Voraussetzungen – mit einem zugelassenen Veranstalter aufs Eis gehen.
Ein Mietwagen ist nicht nötig. Von El Calafate fahren Ausflugsbusse und reguläre Transfers zum Gletscher. Ein Auto lohnt sich, wenn du länger an einzelnen Aussichtspunkten bleiben oder den Besuch mit der Umgebung verbinden möchtest.
Lago Argentino, Estancias und stille Abstecher
Bootstouren führen über den Lago Argentino in Richtung der Gletscher Spegazzini und Upsala. Abseits der Eiskulissen erzählen Estancias wie Nibepo Aike oder Estancia Cristina vom Leben in dieser Landschaft: Schafzucht, weite Weiden, Pferde und die Geschichte der Besiedlung.
Wer nur wenige Stunden übrig hat, kann in der Laguna Nimez Vögel beobachten. Wer einen weiteren Tag mitbringt, nimmt den Lago Roca oder einen geführten Ausflug in die Steppe ins Auge. Auf der Strecke Richtung El Chaltén liegt das Gebiet des Bosque Petrificado La Leona. Dort liegen versteinerte Baumreste in einer Landschaft aus Sedimenten und Erosionsformen; der Zugang erfolgt als geführter Ausflug.
Für El Calafate reichen zwei oder drei Nächte oft aus, um den Perito Moreno und einen zweiten Ausflug zu erleben. Das ist keine Pflichtzeit: Wer Gletschertrekking, Bootstouren und Estancias kombinieren will, bleibt länger.
El Chaltén: Ein Ort, von dem Wege in alle Richtungen führen
El Chaltén sieht nicht aus wie ein großer Ferienort. Die Häuser stehen zwischen Flusstal und Berghängen. Cafés, Unterkünfte und kleine Läden versorgen Menschen, die meist dasselbe vorhaben: morgens losgehen und abends mit müden Beinen zurückkehren.
Der Vorteil liegt auf der Hand. Für die wichtigsten Wanderungen braucht man weder Auto noch Transfer. Man zieht die Schuhe an und geht vom Ort aus in den Nationalpark Los Glaciares. Die Wege sind oft gut erkennbar, doch ihre Länge, der Wind und die Bedingungen oberhalb der Baumgrenze dürfen nicht unterschätzt werden.
Laguna de los Tres: Der Fitz Roy aus nächster Nähe
Der Weg zur Laguna de los Tres ist die bekannteste Wanderung von El Chaltén. Auf rund 25 Kilometern hin und zurück führt er durch Wald, an Aussichtspunkten vorbei und schließlich steil über Geröll zur Lagune. Plane etwa acht bis zehn Stunden ein; die letzte Steigung kostet Kraft.
Oben zieht der Fitz Roy den Blick an. Seine Flanken fallen fast senkrecht ab, zu seinen Füßen liegt Wasser, dahinter Eis. Genau deshalb wandern so viele Menschen hierher. Wer Einsamkeit sucht, wird am Aussichtspunkt bei gutem Wetter eher enttäuscht. Wer diese Bergkulisse sehen will, versteht den Andrang.
Eine gute Variante: morgens per Shuttle zum Río Eléctrico beziehungsweise zum Ausgangspunkt bei El Pilar, über Piedras Blancas zum Fitz-Roy-Gebiet wandern und über Laguna Capri nach El Chaltén zurückkehren. Vorher Route, Transfer und Tagesbedingungen prüfen. Diese Strecke zeigt mehr Landschaft als ein bloßes Hin und Zurück.
Laguna Torre: Ein anderes Gesicht der Anden
Die Wanderung zur Laguna Torre führt entlang des Río Fitz Roy durch das Tal. Am Ende liegt eine Lagune, in der Eisschollen treiben können. Dahinter stehen die Nadeln des Cerro Torre und das Eis des Glaciar Grande. Mit etwa 18 bis 19 Kilometern und sechs bis acht Stunden ist die Tour lang, aber weniger steil als der Schlussanstieg zur Laguna de los Tres.
Der Reiz liegt im langsamen Wechsel der Landschaft. Hinter den letzten Häusern öffnet sich das Flusstal, später rücken die Gipfel näher. Wenn Wolken das Massiv verhüllen, ist selbst die Aussicht ungewiss. Auch das gehört zu diesem Ort.
Loma del Pliegue Tumbado: Der Blick über beide Bergmassive
Wer nach den beiden Klassikern noch Kraft hat, steigt auf die Loma del Pliegue Tumbado. Hier wandert man nicht auf einen einzelnen Gipfel zu. Das Ziel ist das Panorama: Fitz Roy, Cerro Torre, Lagunen und bei guter Sicht das Südpatagonische Eisfeld. Für den langen Auf- und Abstieg solltest du einen ganzen Tag vorsehen. Vor allem der Wind kann am offenen Hang stark werden.
Kurze Wege für einen halben Tag
Die Laguna Capri bietet einen ersten Blick auf das Fitz-Roy-Massiv, ohne dass man bis zur Laguna de los Tres gehen muss. Der Mirador de los Cóndores liegt noch näher am Ort und eignet sich für den Ankunftstag. Für kurze Pausen gibt es außerdem Wege entlang des Río de las Vueltas und zum Wasserfall Chorrillo del Salto.
Wer mehrere Tage in El Chaltén bleibt, sollte die Reihenfolge nicht zu früh festlegen. Bei wolkenfreiem Wetter lohnt der lange Weg zu einem der Gipfelblicke. An windigen oder nassen Tagen kann eine kürzere Tour die bessere Wahl sein.
Jenseits der Klassiker: Lago del Desierto und Río Eléctrico
Nördlich von El Chaltén folgt eine Straße dem Río de las Vueltas bis zum Lago del Desierto. Der See liegt etwa 37 Kilometer entfernt, zwischen Wald und Bergen. Die Fahrt führt an weiteren Wanderzugängen vorbei und zeigt eine ruhigere Seite des Gebiets.
Beim Río Eléctrico beginnen Wege zum Gletscher Piedras Blancas und zur Gegend um Piedra del Fraile. Sie eignen sich für Wanderer, die andere Perspektiven suchen oder mehrere Strecken miteinander verbinden wollen. Für viele Ausgangspunkte gibt es saisonale Shuttles. Man muss also nicht allein wegen dieses Ausflugs einen Mietwagen nehmen.
Am Lago del Desierto lässt sich ein Tag mit Spaziergängen und, je nach Saisonangebot, einer Bootsfahrt verbringen. Der See liegt außerhalb der üblichen Wege zum Fitz Roy. Gerade das macht den Abstecher interessant.
Noch abgelegener sind Unternehmungen im Bereich des Lago Viedma, der Estancia Helsingfors oder der Laguna Azul. Sie sind keine spontanen Nachmittagsausflüge. Hier muss man Fahrstrecken, Zugänge und gegebenenfalls eine Unterkunft frühzeitig organisieren.
Eine Nacht in den Bergen: Mehrtagestouren ab El Chaltén
Die bekannten Wanderungen lassen sich fast alle als Tagesausflüge unternehmen. Trotzdem verändert eine Nacht draußen die Perspektive. Wenn die Tagestouristen ins Dorf zurückkehren, bleiben Zelte, Wasser und die Silhouette der Gipfel.
Camp Poincenot: Zwei Tage am Fitz Roy
Vom Ort führt die Wanderung zum Camp Poincenot. Wer dort übernachtet, kann am nächsten Morgen früh zur Laguna de los Tres aufsteigen, statt bei Dunkelheit den gesamten Weg aus El Chaltén gehen zu müssen. Gute Sicht bei Sonnenaufgang ist nicht garantiert. Aber die Nacht gibt dem Berg mehr Raum.
Poincenot und De Agostini: Die beiden Massive verbinden
Die Verbindung über Laguna Madre e Hija verknüpft das Fitz-Roy-Gebiet mit den Wegen zum Cerro Torre. Mit einer oder zwei Campingnächten entsteht daraus eine zwei- bis dreitägige Tour. Man wandert von Tal zu Tal, statt täglich zum selben Ausgangspunkt zurückzukehren.
Poincenot, Laguna Capri und De Agostini sind verwaltete Campingplätze mit Reservierungspflicht und begrenzten Plätzen. Eigene Ausrüstung und Verpflegung sind nötig. Die Plätze ersetzen kein bewirtschaftetes Berghaus.
Vuelta al Huemul: Eine andere Liga
Die Vuelta al Huemul führt in entlegene Gebiete und eröffnet bei passenden Bedingungen Blicke auf das Südpatagonische Eisfeld. Sie verlangt mehrere Tage, Erfahrung im weglosen Gelände, anspruchsvolle Flussquerungen und spezielle Sicherheitsausrüstung. Nach einem Brand im Januar 2026 waren Teile des Gebiets betroffen. Vor jeder Planung sind Freigaben, Registrierung und aktuelle Regeln bei der Nationalparkverwaltung zu prüfen. Diese Tour gehört nicht in dieselbe Schwierigkeitsklasse wie Laguna Torre.
Für die meisten Reisenden ist die Kombination aus Unterkunft im Dorf, mehreren Tagestouren und einer gezielten Campingnacht die angenehmste Mischung aus Abenteuer und Flexibilität.
Was bleibt, wenn die Berge in den Wolken stehen?
Patagonien ist nicht an jedem Tag ein Panorama. Der Wind kann über die offenen Hänge fegen, Regen fällt auf die Wanderwege und Wolken verdecken die Gipfel. Wer an einen einzigen Wandertag alles hängt, gibt dem Zufall viel Macht.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur einen Gipfelblick zu planen. Auf Booten sieht man Gletscher aus anderer Höhe. In Feuchtgebieten lassen sich Flamingos und andere Vögel beobachten. Auf Estancias erfährt man, wie Menschen mit Wind, kurzen Vegetationszeiten und großen Entfernungen leben. Und unterwegs auf der Straße begegnet man der Tierwelt der Steppe.
Die Natur ist nicht überall menschenleer. Die beliebtesten Wege in El Chaltén ziehen in der Hauptsaison viele Besucher an; das berühmte Motiv ist kein Geheimtipp. Wer mehr Ruhe sucht, wählt einen weniger bekannten Zugang, eine längere Tour oder einen ganzen Tag, der nicht auf ein Foto hinausläuft.
Anreise: So lassen sich Nord- und Südpatagonien verbinden
Für Bariloche landet man am Flughafen San Carlos de Bariloche (BRC), für El Calafate und El Chaltén am Flughafen El Calafate (FTE). Von Buenos Aires bestehen Flugverbindungen in beide Regionen. Aerolíneas Argentinas nennt außerdem eine direkte Verbindung zwischen Bariloche und El Calafate; die tatsächlichen Flugtage hängen vom Datum ab.
Wer beide Regionen sehen möchte, prüft am besten einen Gabelflug: beispielsweise Buenos Aires – Bariloche, dann Bariloche – El Calafate und am Ende El Calafate – Buenos Aires. So entfällt ein unnötiger Rückweg. Natürlich funktioniert die Strecke auch in umgekehrter Richtung.
El Chaltén besitzt keinen Verkehrsflughafen. Vom Flughafen oder Busbahnhof in El Calafate fahren Busse und Transfers dorthin; die Fahrt über rund 220 Kilometer dauert gewöhnlich etwa drei Stunden. Auf der Strecke gibt es saisonabhängig mehrere Abfahrten. Bei engem Fluganschluss besser einen Puffer einplanen.
Ein Fernbus zwischen Bariloche und dem Süden ist möglich, bedeutet aber eine sehr lange Reise über die Ruta 40. Für einen knappen Urlaub ist der Flug meist die bessere Wahl. Wer bewusst einen Roadtrip plant, kann dagegen die Orte und Landschaften entlang dieser Straße zum eigentlichen Ziel machen.
Bus oder Mietwagen? Die Entscheidung nach Region
Bariloche ohne Auto: Mit Stadtbussen kommst du unter anderem zum Cerro Catedral und Cerro Campanario. Bootstouren und organisierte Ausflüge decken weitere Ziele ab. Für die Innenstadt und mehrere klassische Wandertage genügt das.
Bariloche mit Auto: Mehr Spielraum bieten die Ruta de los Siete Lagos, Villa Traful, abgelegene Seeufer und spontane Stopps. Auf der Tronador-Straße gelten besondere Fahrzeiten; an einzelnen Zufahrten entscheidet der Straßenzustand.
El Calafate ohne Auto: Perito Moreno ist mit Bus oder Ausflug erreichbar. Bootstouren und Estancias bieten oft organisierte Transfers. Ein Mietwagen eröffnet vor allem für zusätzliche Abstecher mehr Möglichkeiten.
El Chaltén ohne Auto: Die bekannten Wanderungen beginnen unmittelbar im Dorf. Für Río Eléctrico und Lago del Desierto gibt es in der Saison Shuttles. Wer mehrere Tage wandert, spart sich meist den Mietwagen.
Chile als Ergänzung: Für Puerto Natales und Torres del Paine existieren grenzüberschreitende Busverbindungen und organisierte Transfers. Ein Mietwagen kann sich lohnen, verlangt aber eine genaue Prüfung der Grenz- und Vermieterregeln.
Eine einfache Faustregel: Erst die gewünschten Unternehmungen festlegen, dann das Verkehrsmittel auswählen. Nicht umgekehrt. Gerade in El Chaltén ist die Unterkunft im Dorf oft wichtiger als ein Autoschlüssel.
Wie lange bleiben?
Für Bariloche sind drei bis fünf Nächte ein guter Einstieg. Eine Wanderung, der Circuito Chico, eine Fahrt zu den Seen und vielleicht ein Ausflug zum Tronador passen hinein. Wer die Vier-Hütten-Traverse oder mehrtägige Roadtrips plant, braucht deutlich mehr Zeit.
In El Calafate decken zwei bis drei Nächte den Perito-Moreno-Gletscher und einen weiteren Ausflug ab. Für El Chaltén würde ich vier bis sechs Nächte ansetzen. Das gibt Raum für Laguna de los Tres, Laguna Torre, eine dritte Wanderung und mindestens einen Tag Wetterreserve.
Mit ungefähr zwölf bis fünfzehn Tagen lässt sich so ein sinnvoller Bogen zwischen Bariloche und dem Süden schlagen – einschließlich eines Transfertags. Eine kürzere Reise sollte sich auf eine Region konzentrieren. Patagonien belohnt nicht die längste Liste, sondern die Zeit am richtigen Ort.
Wann ist die beste Reisezeit?
Für Wanderungen gelten die Monate November bis März als wichtigste Reisezeit. Der südliche Sommer bringt längere Tage und bessere Chancen auf zugängliche Wege. Das Wetter bleibt trotzdem wechselhaft. In El Chaltén können auch im Sommer starker Wind, Regen und Kälte aufeinanderfolgen.
Im Oktober und frühen November liegt auf hochgelegenen Routen, besonders um Bariloche, oft noch Schnee. Nicht jede Hütte oder Wanderroute ist dann unter sommerlichen Bedingungen erreichbar. Vor anspruchsvollen Touren gehören der aktuelle Wegestatus und eine Wetterprognose zur Planung.
Die Nationalparks erheben Eintritt. Seit Juni 2026 nennt die argentinische Parkverwaltung für ausländische Besucher 50.000 ARS pro Tag für Los Glaciares, einschließlich des Zugangs bei El Chaltén, und 35.000 ARS für Nahuel Huapi. Es gibt Mehrtagesoptionen und Ausnahmen. Beträge und Regeln vor der Reise nochmals prüfen.
Auf den Wegen gehören Regen- und Windschutz, warme Schichten, Verpflegung, Wasser und eine Stirnlampe in den Rucksack. Für abgelegene Routen kommen Navigation, Notfallplanung und je nach Gelände zusätzliche Ausrüstung hinzu. In Bariloche ist für die meisten Trekkingtouren eine Registrierung vorgeschrieben; rund um El Chaltén gelten weitere Meldepflichten für abgelegene Gebiete.
Und wenn noch Zeit bleibt?
Auf der chilenischen Seite liegt Torres del Paine mit seinen Granittürmen, Seen und den berühmten Routen des W-Treks. Puerto Natales dient als Ausgangspunkt. Weiter südlich wartet Feuerland mit Ushuaia und dem Beagle-Kanal. An Patagoniens Atlantikküste verschiebt sich der Schwerpunkt zu Walen, Pinguinen und Seelöwen – etwa auf der Península Valdés.
Auch die weniger besuchte Ruta 40 zwischen den Regionen verdient eine eigene Reise. Rund um die Cueva de las Manos zeigen Felsbilder, dass diese Landschaft schon lange vor dem modernen Tourismus Menschen anzog. Diese Ziele sind keine kleinen Abstecher von El Chaltén. Sie öffnen vielmehr die Tür zu einer nächsten Reise.
Am Ende ist nicht jeder Umweg einer
Auf der Rückfahrt verschwinden die Gipfel hinter dem Bus. Draußen beginnt wieder die Steppe. Was auf der Hinfahrt noch wie eine leere Strecke wirkte, bekommt jetzt Konturen: die Flussläufe, die Windböen im Gras, die vereinzelten Guanacos am Straßenrand.
Patagonien lässt sich mit Bussen, zu Fuß und auf ausgewählten Straßen gut erschließen. Man muss dafür weder jeden Kilometer selbst fahren noch jeden Aussichtspunkt erreichen. Entscheidend ist, genug Zeit zu lassen, damit zwischen Ankunft und Abreise auch die Landschaft Platz bekommt.
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